2. Dezember 2008
SCHARRFENSTEIN: Aber wie komisch sah mein Schiller aus! Eingepresst in diese Uniform, damals noch nach dem alten Schnitt und vorzüglich bei den Regimentsfeldscheren steif und abgeschmackt; der kleine militärische Hut bedeckte kaum den Kopfwirbel, in dessen Nähe ein dicker, langer falscher Zopf gepflanzt war; der lange Hals war von einer sehr schmalen roßhärenen Binde eingewürgt; unter den an weißen Gamaschen unterlegten Filz waren seine zwei Beine wie Zylinder von einem größeren Diameter als die in knappe Hosen eingepressten Schenkel. In diesen Gamaschen, die ohnehin mit Schuhwichse sehr befleckt waren, bewegte er sich, ohne die Knie recht beugen zu können, wie ein Storch!
SPRECHER: Seine Freunde tragen den verzweifelten Regimentsmedicus des öfteren restlos betrunken nachhause. Trifft er sie nicht im Lokal “Zum Ochsen” an, finden sie dort kleine Zettel…
SCHILLER: Seid mir schöne Kerls! Bin dagewesen, und kein Petersen, kein Reichenbach! Tausendsackerlott! Hol euch doch alle der Teufel! Ich bin zu Haus, wenn ihr mich holen wollt. Adies, Schiller.
SPRECHER: Die von ihm verordneten Kuren sind berüchtigt. Oftmals werden sie heimlich von seinen Vorgesetzten abgeändert, da sie doch allzu robust sind. In der Rezeptierkunde kennt er sich nicht wirklich aus, ein Freund sieht sich veranlasst, anzumerken… Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie 5. Schiller (Hör-Biografie) | 0 Kommentare »
11. November 2008
Rings um Rechenberg lagen die Leichen in ihren Uniformen. Da haben so viele Leute aus dem Ort gesagt: Lasst die uns beerdigen oder wenigstens ein bisschen. Richtig ging ja nicht, der Boden war noch gefroren. Aber die Russen haben es nicht erlaubt, sie sollten weiter dort liegen, sollten wir sie sehen.
Eines Tages trieben die Russen die vielen Schafe, die sie überall mitgenommen haben, durch Rechenberg. Wir hörten den Krach. Die Mädchen sagten: Och, Schafe, und sind am Zaun gucken gegangen. Traudchen wollte noch genauer schauen, hat das Tor ein Stück weit aufgemacht und da steht ein kleines Schäfchen direkt davor. Da packt sie es, zieht es rein und macht das Tor wieder zu. Und dann bekommt sie solche Angst: Wenn es gleich die Mama sucht, wenn es blökt. Die Schafe werden natürlich von Soldaten bewacht! Wenn sie einer gesehen hat. Aber wir haben das Schaf im Stall versteckt, hat es nie einer gefunden. Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie 1. Wo gehst Du, Mariechen? | 0 Kommentare »
17. Oktober 2008
Liebe Leser,
nachfolgend geben wir Euch wichtige Neuigkeiten zu den
“1. Nordwalder Biografietagen” am 8. und 9. November 2008.
Die Gesellschaft für biografische Kommunikation e.V. und der Förderverein Bispinghof e.V. sind hoch erfreut, die Volksbank Greven e.G. mit ihrer Filiale in Nordwalde als Partner für die “1. Nordwalder Biografietage” ankündigen zu können. Tobias Roland, Filialleiter der Volksbank Nordwalde, ist begeistert von dieser neuen Veranstaltungsreihe: “Die Menschen in unserer Region sind uns wichtig, da liegt es nahe, sich auch für ihre Lebensgeschichten, also ihre Spuren zu interessieren … wir sind eben “eine Spur persönlicher”, um mit unserem Slogan zu sprechen.” Tobias Roland weiter: “Hinter jedem Bankkonto steckt eine ganz persönliche Lebensgeschichte. Wir sind eine Volksbank und leben und handeln nach diesen Werten.” Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Volksbank. Die Dauerkarten für die “1. Nordwalder Biografietage” sind übrigens auch in der Volksbank in Nordwalde und bei Buch & mehr erhältlich, Einzelkarten nur bei der jeweiligen Veranstaltung.
Der Schauspieler Reiner Schöne muss leider aufgrund von Drehplanänderungen zu einem Film seine Lesung absagen. Stattdessen kommt nun Rolf Zacher und liest aus seiner Biografie “Endstation Freiheit”!!!
Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie Allgemein | 0 Kommentare »
12. Oktober 2008
Im September und Oktober 1944 werden von den knapp 30 000 Lagerinsassen 18 404, fast zwei Drittel aller in Theresienstadt anwesenden Menschen, nach Auschwitz deportiert. Im Lager bleiben 11 000 Häftlinge zurück.
„In vielen Zimmern eingeschaltetes Licht, auf den Gängen lief das Wasser aus den Hähnen. In den Krankenhäusern fielen Patienten aus den Betten und blieben nächtelang auf dem Fußboden, da es an Pflegepersonal mangelte“, schrieb Murmelstein, der letzte Judenälteste in sein Tagebuch.
Die Auswahl der Opfer für die letzten zwei der Transporte, 3753 Menschen, die das Lager am 23. und 28. Oktober verließen, übernahmen Rahm und Möhs, ein Abgesandter Eichmanns, persönlich.
Außer den Häftlingen der prinzipiell geschützten Gruppen, nämlich Dänen, konvertierte holländische Juden, andere Ausländer, zu fünfzig Prozent und mehr Kriegsbeschädigte und sogenannte asoziale Elemente, d.h. Kriminelle, hatten alle Gefangenen an den zwei Selektionen teilzunehmen, die einmal alphabetisch und einmal nach Abteilungen vorgenommen wurde. Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie 2. Arnold Munter | 0 Kommentare »
20. September 2008
SPRECHER: Das Augenblitzen Schillers rührt nicht allein von seiner Vorfreude auf die ersehnte Freiheit her. Er ist wohl der Einzige an diesem Abend, der weiß, wer der in seiner dritten Dissertation angeführte englische Autor Krake wirklich ist… Um zu beweisen, wie sehr die Seelenkräfte am Körper zehren können, hatte er die erste Szene der “Tragedy Life of Moor” von dem unbekannten Autoren “Krake” angeführt…“The life of Moor“ führt allerdings in Gestalt von Vater, Franz und Karl Moor das heimliche Leben nicht im fernen England, sondern versteckt in der Schublade des Krankenzimmers der Hohen Karlsschule zu Stuttgart. Literarische Erfindungen des Autors Friedrich Schiller… Noch ein Jahrhundert später wundert sich der Pathologe Rudolf Virchow:
VIRCHOW: …dass jemand auf eine solche Dissertation hin, in der das Leben Moor´s als eine englische Tragödie mit dem Anscheine des höchsten Ernstes und der größten Wahrhaftigkeit zitiert wird, zum Regimentsmedicus gemacht werden konnte… Den ganzen Beitrag lesen »
Kategorie 5. Schiller (Hör-Biografie) | 0 Kommentare »